Wer sein E-Auto öffentlich laden möchte, hat es nicht immer einfach, insbesondere weil das Kartellamt nicht durchgreift und die „Wild-West Mentalität“ der Ladestromanbieter unterbindet. Jetzt hatte die Stadt eine wilde Idee und hat die BEG Kraichgau ins Boot geholt. „Bürgerenergiegenossenschaft“ hört sich toll an und wird auch gegenüber den „Energieriesen“ besonders hervorgehoben mit „100% Ökostrom aus Bürgerhand“.
Klar, EnBW setzt mehr auf Ökostrom-Schnellader und versorgt schon einige Parkplätze von Supermärkten damit. Elektra, Pfalzwerke und Tesla Supercharger findet man ebenfalls in der Peripherie von Schwetzingen. Aber warum macht man aus den Langsamladern in der Stadt keine Schnellader? Da ist der Wagen in einer halben Stunde tatsächlich voll aufgeladen. Ok, man könnte sich fragen, die AC-Säulen sind alt, aber intakt, warum sollte man sie verschrotten? Da kommt der „Bürgerstrom von Bürgern“ vielleicht gut an, denkt der Verwaltungsbeamte.
Nein, es wird da jetzt wahrscheinlich weniger geladen, denn bei EnBW kostet es mit Ladekarte auf dem Messplatz 51 Cent beim Schnellader. Der „Bürgerstrom“ aber kostet bei 22 Kilowattstunden mit der Kreditkarte bezahlt, jeweils 74 Cent. Dabei muss das E-Auto aber zwei Stunden ausharren und versperrt den Ladeplatz. Jede weitere Minute kostet extra und das Einstecken des Ladekabels wird mit einem Euro berechnet. Für einen Verbrenner übersetzt hieße das: Man kommt an der Tankstelle an, der Tankwart springt raus, kassiert einen Euro Trinkgeld, damit man den Rüssel in den Tank reinhalten darf. Danach tankt man mit dem Druck einer alten Wasserleitung, es tröpfelt also nur und muss dann, weil es so lange dauert fürs Warten eine Extraabgabe zahlen!
Wenn die Stadt wirklich etwas zur Energiewende beitragen will, soll sie von mir aus die alten AC-Lader behalten, aber dann den Strom für „Bürger-Ökostrom“ subventionieren. Ein Preis, wie im Kaufland von 29 Cent wäre angebracht – aber bitte für eine Ad-hoc Ladung.
